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Ratgeber · KI in der Konstruktion: Was bedeutet das konkret?

KI in der Konstruktion: Was bedeutet das konkret?

Ein Konstrukteur fragt einen KI-Assistenten: "Welche Mindestwandstärke gilt bei uns für dieses Bauteil?" Die Antwort klingt überzeugend und ist trotzdem wertlos, denn das Modell kennt die Richtlinien des eigenen Unternehmens nicht. Es nennt einen plausiblen Wert, vielleicht branchenüblich, aber nicht der interne. Bei KI in der Konstruktion geht es deshalb weniger um ein Schlagwort als um die Frage, woher die Antworten kommen.

Was KI in der Konstruktion konkret leisten kann

Hinter dem Begriff stecken drei sehr unterschiedliche Anwendungen.

1. Fragen beantworten

Ein KI-Chat beantwortet Fragen zu Konstruktionsvorgaben, statt dass Konstrukteure lange Dokumente durchsuchen. Entscheidend ist die Grundlage: Beim KI-Chat mit Beleg antwortet die KI ausschließlich auf Basis der freigegebenen Regeln des eigenen Projekts und nennt zu jeder Aussage die zugehörige Regel als Beleg. Deckt das Regelwerk eine Frage nicht ab, sagt der Chat das offen, statt eine Antwort zu erfinden.

2. Regeln aus vorhandenem Wissen gewinnen

Die meisten Unternehmen haben kein sauberes Regelwerk, sondern Dokumentensammlungen und Erfahrungswissen. KI kann daraus Regelvorschläge mit Fundstelle erzeugen, etwa aus hochgeladenen Richtliniendokumenten (siehe Dokumentenverwaltung und Regelextraktion). Ob ein Vorschlag zur verbindlichen Regel wird, entscheidet weiterhin ein Mensch, der ihn prüft und freigibt. So lassen sich auch Sonderregeln und Erfahrungswissen erfassen, die in keiner Richtlinie stehen.

3. Konstruktionen prüfen – eine Perspektive

Liegen Regeln vollständig und strukturiert vor, lassen sie sich an spezialisierte Systeme übergeben, die Konstruktionen künftig automatisch gegen das Regelwerk prüfen könnten. Das ist eine Perspektive und noch keine Leistung von konstruktionsrichtlinie.de. Es wäre außerdem eine Prüfung gegen das eigene Regelwerk und kein Nachweis im Sinne einer CE-Kennzeichnung. Die Perspektive zeigt aber, warum ein strukturiertes Regelwerk mehr ist als ein Nachschlagewerk: Es nutzt heute im Chat und später auch anderen Werkzeugen.

Woran Sie brauchbare KI-Unterstützung erkennen

Unabhängig vom Werkzeug helfen vier Fragen:

  • Stützt sich die Antwort auf Ihr eigenes, freigegebenes Regelwerk oder auf allgemeines Wissen?
  • Nennt sie zu jeder Aussage die Regel, aus der sie stammt?
  • Sagt sie offen, wenn es zu einer Frage keine Regel gibt?
  • Lässt sich nachvollziehen, ob das Regelwerk seit der Antwort geändert wurde?

Allgemeine Sprachmodelle erfüllen diese Kriterien nicht, weil sie Ihr Regelwerk nicht kennen. Warum die Qualität der Regeln über die Qualität der KI-Antworten entscheidet, beschreibt der Beitrag Copilot, ChatGPT & Co. im Maschinenbau.

Womit Sie anfangen können

Jedes KI-Werkzeug ist nur so nützlich wie das Regelwerk, auf das es zugreift. Der erste Schritt ist deshalb nicht das Werkzeug, sondern die Grundlage: vorhandene Dokumente und Erfahrungswissen in strukturierte Regeln zu überführen. Wie das gelingt, beschreibt der Leitfaden Konstruktionsrichtlinien strukturieren statt sammeln.

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